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Fjodor Dostojewski lernen
12 Fragen · Literatur
Fjodor Dostojewski, 1821 in Moskau als Arztsohn geboren, erlebt mit 28 Jahren die entscheidende Minute seines Lebens: Wegen der Teilnahme an einem sozialistischen Lesezirkel zum Tode verurteilt, steht er bereits vor dem Erschießungskommando: da trifft die Begnadigung des Zaren ein, inszeniert bis zur letzten Sekunde. Statt der Kugel: vier Jahre Katorga, Zwangsarbeit in Sibirien, in Ketten unter Mördern. Die Erfahrung von Todesnähe, Schuld und Erniedrigung wird zum Urgrund seines Werks; der Bericht „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus" macht sie zu Literatur.
Zurück im Leben, schreibt Dostojewski unter Dauerdruck: geplagt von Epilepsie und einer Spielsucht, die ihn an europäischen Roulettetischen ruiniert („Der Spieler" entsteht in 26 Tagen, um Schulden zu tilgen; die dafür engagierte Stenografin Anna wird seine Frau und Retterin). So entstehen die großen Romane, die die Weltliteratur verändern: „Verbrechen und Strafe" (früher „Schuld und Sühne") um den Studenten Raskolnikow, der mordet, um zu beweisen, dass er zu den „außerordentlichen Menschen" gehört und an Schuld und Gewissen zerbricht; „Der Idiot" mit dem christusgleichen Fürsten Myschkin; „Die Dämonen" über die Zerstörungskraft des Fanatismus; zuletzt „Die Brüder Karamasow" mit der berühmten Legende vom Großinquisitor: Vatermord, Glaube und Zweifel in einem Familienroman.
Dostojewski gilt als Erfinder des modernen psychologischen Romans: Kein Autor leuchtet tiefer in Abgründe, Widersprüche und Doppelböden der Seele. Nietzsche nannte ihn den „einzigen Psychologen", von dem er etwas zu lernen hatte; Freud verneigte sich vor den „Karamasows".
Er stirbt 1881 in Sankt Petersburg; zehntausende folgen dem Sarg. Wusstest du, dass Dostojewski die Sekunden vor der Scheinhinrichtung im „Idioten" nacherzählt, als Bericht eines Begnadigten?
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