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Emily Dickinson lernen
13 Fragen · Literatur
Emily Dickinson, 1830 in Amherst (Massachusetts) geboren, verbringt fast ihr ganzes Leben im Haus ihrer Familie und wird von dort aus, unbemerkt von der Welt, zur größten Dichterin Amerikas. Die Tochter eines angesehenen Anwalts besucht kurz ein College, kehrt aber heim und zieht sich über die Jahre immer weiter zurück: Ab ihren Vierzigern verlässt sie das Grundstück kaum noch, empfängt Besucher oft nur durch die angelehnte Tür und trägt fast ausschließlich Weiß. Die Nachbarn nennen sie „den Mythos von Amherst".
Doch hinter der verschlossenen Tür tobt ein Kosmos: Fast 1.800 Gedichte schreibt Dickinson: kurz, verdichtet, elektrisierend. Sie sprengt alle Regeln ihrer Zeit: Gedankenstriche statt Interpunktion, eigenwillige Großschreibung, schräge Reime, radikale Bilder für Tod, Unsterblichkeit, Natur und das Innenleben. „Weil ich nicht anhalten konnte für den Tod: hielt er freundlich an für mich", beginnt eines ihrer berühmtesten Gedichte; ein anderes erklärt: „Hoffnung ist das Ding mit Federn." Ihre Verse trägt sie in selbstgenähte Faszikel-Heftchen ein oder legt sie Briefen bei, etwa an den Literaten Thomas Wentworth Higginson, den sie fragt, ob ihre Verse „atmen".
Zu Lebzeiten erscheinen nur rund zehn Gedichte, anonym und von Redakteuren geglättet. Erst nach ihrem Tod 1886 entdeckt Schwester Lavinia in einer Truhe das gewaltige Werk: gegen Emilys Wunsch, ihre Papiere zu verbrennen, beginnt die Familie zu veröffentlichen. Die ungeschönte Gesamtausgabe aller Gedichte erscheint erst 1955.
Wusstest du, dass Dickinson ihren Gedichten nie Titel gab? Man zitiert sie bis heute nach der ersten Zeile oder nach Nummern und zählt sie neben Walt Whitman zu den Begründern der modernen amerikanischen Lyrik.
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