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Franz Kafka lernen
13 Fragen · Literatur
Franz Kafka, 1883 in Prag geboren, führt ein Doppelleben: Tagsüber ist er gewissenhafter Jurist bei der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt, nachts schreibt er die Alpträume der Moderne. Der Sohn eines dominanten Kaufmanns (die zerrüttete Beziehung verarbeitet er im nie abgeschickten „Brief an den Vater") gehört zur deutschsprachigen jüdischen Minderheit Prags und bleibt zeitlebens ein Zweifelnder: an sich, am Schreiben, an der Liebe (drei Verlobungen, zwei davon mit Felice Bauer, alle gelöst).
Sein berühmtester Anfang gehört der Weltliteratur: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt." „Die Verwandlung" (1915) erzählt, wie eine Familie ihren zum Käfer gewordenen Ernährer erst pflegt, dann verstößt. In den Romanfragmenten wird das Ausgeliefertsein total: Josef K. wird im „Process" verhaftet, „ohne dass er etwas Böses getan hätte", und einem unsichtbaren Gericht ausgeliefert; der Landvermesser K. kämpft im „Schloss" vergeblich um Zugang zu einer undurchdringlichen Behörde. Für diese Welt aus anonymer Macht, absurder Bürokratie und lautloser Angst gibt es heute in vielen Sprachen ein eigenes Wort: kafkaesk.
Zu Lebzeiten veröffentlicht Kafka nur schmale Bände; 1924 stirbt er mit 40 an Kehlkopftuberkulose: zuletzt kann er kaum noch essen und sprechen, während er die Erzählung „Ein Hungerkünstler" korrigiert. Sein Testament ist radikal: Der Freund Max Brod soll alle Manuskripte ungelesen verbrennen. Brod verweigert sich und gibt „Der Process", „Das Schloss" und „Der Verschollene" heraus: der folgenreichste Testamentsbruch der Literaturgeschichte.
Wusstest du, dass Kafka bei Lesungen seiner Texte im Freundeskreis mitunter selbst laut lachen musste, etwa beim „Process"? Die Komik im Grauen gehört zu seinem Werk wie die Angst.
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