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Mary Shelley lernen
12 Fragen · Literatur
Mary Shelley, 1797 in London geboren, ist ein Kind der Ideen: Ihre Mutter, die Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft, stirbt kurz nach der Geburt; ihr Vater ist der politische Philosoph William Godwin. Mit 16 brennt Mary mit dem verheirateten Dichter Percy Bysshe Shelley durch: ein Skandal, der sie Jahre der Ächtung kostet.
Dann der berühmteste Sommer der Literaturgeschichte: 1816, das „Jahr ohne Sommer" nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora, sitzt das Paar mit Lord Byron und dessen Leibarzt John Polidori in der Villa Diodati am Genfersee fest. Man liest Gespenstergeschichten, Byron schlägt einen Wettbewerb vor: Jeder soll selbst eine schreiben. Der 18-jährigen Mary erscheint nach Gesprächen über Galvanismus und die Belebung toter Materie in einem Wachtraum die Vision eines Studenten, der sein zusammengesetztes Geschöpf zum Leben erweckt. Daraus wird „Frankenstein oder Der moderne Prometheus" (1818, zunächst anonym): die Geschichte des Victor Frankenstein, dessen namenloses Geschöpf (klug, redegewandt, verzweifelt nach Liebe suchend) erst durch Zurückweisung zum Mörder wird. Der Roman gilt heute als der erste Science-Fiction-Roman überhaupt und als bis heute gültige Parabel auf die Verantwortung der Wissenschaft. Dass „Frankenstein" der Schöpfer ist, nicht das Monster, gehört zu den meistverwechselten Fakten der Literatur.
Das Leben schlägt weiter hart zu: Drei ihrer vier Kinder sterben früh; 1822 ertrinkt Percy Shelley beim Segeln vor der italienischen Küste. Die 24-jährige Witwe kämpft sich als Berufsschriftstellerin durch, schreibt Romane wie den apokalyptischen „Der letzte Mensch" und gibt Percys Werk heraus; sein Ruhm ist auch ihre Arbeit. Sie stirbt 1851 in London.
Wusstest du, dass im selben Sommer am Genfersee auch Polidoris „Der Vampyr" entstand: die Keimzelle aller Vampirgeschichten bis Dracula?
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