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Ovid lernen
12 Fragen · Literatur
Publius Ovidius Naso, 43 v. Chr. in Sulmo östlich von Rom geboren, soll nach dem Willen des Vaters Beamter werden: doch alles, was er anfasst, wird Vers: „Was ich auch schreiben wollte, wurde Gedicht." Der elegante junge Mann erobert die römische Gesellschaft mit frivoler Liebesdichtung: Die „Amores" besingen die Geliebte Corinna, die „Ars amatoria" (die „Liebeskunst") gibt augenzwinkernd Unterricht im Flirten, Erobern und Behalten: der erste Ratgeber der Verführung, in Versen.
Sein Hauptwerk aber macht ihn zum vielleicht einflussreichsten Erzähler der Antike: die „Metamorphosen", ein Epos aus rund 250 Verwandlungssagen vom Anbeginn der Welt bis zu Caesars Vergöttlichung. Daphne wird zum Lorbeer, um Apollo zu entkommen; Narziss verliebt sich in sein Spiegelbild; Pygmalions Statue erwacht zum Leben; Ikarus fliegt zu nah an die Sonne; Midas verwandelt alles zu Gold, was er berührt. Kein Werk hat der europäischen Kunst mehr Stoff geliefert: von Ovid zehren Shakespeare und Rubens, Bernini und die Opernbühne.
Auf dem Gipfel des Ruhms trifft ihn die Katastrophe: Im Jahr 8 n. Chr. verbannt Kaiser Augustus den Dichter ans Ende der Welt: nach Tomis am Schwarzen Meer, das heutige Constanța in Rumänien. Als Grund nennt Ovid rätselhaft „ein Gedicht und einen Fehler": Das Gedicht war wohl die anstößige „Liebeskunst", der Fehler bleibt bis heute ein Rätsel. Aus dem Exil schickt er die „Tristia", Klagelieder voller Heimweh: Rom sieht er nie wieder; um 17 n. Chr. stirbt er in der Fremde.
Wusstest du, dass „Metamorphose" dank Ovid zum Alltagswort wurde? Sein Schlusswort behielt recht: „Ich werde leben": gelesen wird er seit 2000 Jahren.
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