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Leo Tolstoi lernen
12 Fragen · Literatur
Leo Tolstoi, 1828 auf dem Familiengut Jasnaja Poljana südlich von Moskau geboren, ist Graf, Offizier im Krimkrieg, Spieler und Lebemann: ehe er zum Gewissen Russlands wird. Nach wilden Jugendjahren und der Heirat mit Sofja Behrs, die ihm 13 Kinder gebären und seine Manuskripte unermüdlich abschreiben wird, entstehen auf dem Gut die zwei Romane, die auf fast jeder Liste der größten Bücher aller Zeiten stehen: „Krieg und Frieden" (1869), das Weltpanorama der napoleonischen Kriege mit über 500 Figuren um Pierre, Natascha und Fürst Andrej und „Anna Karenina" (1878), die Tragödie einer verheirateten Frau, die für die Liebe zu Graf Wronski die Gesellschaft gegen sich aufbringt; der berühmte erste Satz: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich."
Auf dem Gipfel des Ruhms stürzt Tolstoi in eine Sinnkrise und erfindet sich neu: als radikaler Christ jenseits der Kirche, Prediger der Gewaltlosigkeit, der Einfachheit und des Landlebens. Der Graf geht hinter dem Pflug, schustert Stiefel, verzichtet auf Fleisch, Alkohol und (später) die Rechte an seinen Werken: zum Verzweifeln seiner Familie. Die Kirche exkommuniziert ihn 1901; sein Traktat „Das Himmelreich in euch" aber erreicht einen jungen Anwalt in Südafrika: Gandhi nennt Tolstoi einen Lehrmeister seiner Gewaltlosigkeit: die beiden wechseln Briefe.
Das Ende ist ein Drama: Im Oktober 1910 verlässt der 82-Jährige heimlich bei Nacht sein Gut, um als Pilger zu leben und stirbt wenige Tage später im Bahnwärterhaus der Station Astapowo, belagert von der Weltpresse.
Wusstest du, dass Tolstoi zweimal für den ersten Literaturnobelpreis im Gespräch war und leer ausging, für viele bis heute die größte Fehlentscheidung der Preisgeschichte?
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