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Oscar Wilde lernen
13 Fragen · Literatur
Oscar Wilde, 1854 in Dublin als Sohn eines Augenarztes und einer Dichterin geboren, glänzt schon in Oxford als Altphilologe und erfindet sich als Erzdandy: Samtjacke, Sonnenblume im Knopfloch, geschliffene Bonmots. Beim US-Zoll soll er erklärt haben: „Ich habe nichts zu verzollen außer meinem Genie." Als Wortführer des Ästhetizismus predigt er die Kunst um der Kunst willen („l'art pour l'art") und macht sein Leben selbst zum Kunstwerk.
Sein einziger Roman „Das Bildnis des Dorian Gray" (1890) skandalisiert das viktorianische England: Der schöne Dorian bleibt ewig jung, während sein verstecktes Porträt altert und jede Sünde aufzeichnet: am Ende ersticht er das Bild und stirbt selbst als verlebter Greis. Dann erobert Wilde die Bühne: Gesellschaftskomödien wie „Lady Windermeres Fächer", „Ein idealer Gatte" und als Krönung „The Importance of Being Earnest" (Bunbury, 1895) funkeln vor Aphorismen; das Märchen vom „glücklichen Prinzen" und „Der selbstsüchtige Riese" rühren bis heute Kinder wie Erwachsene.
Auf dem Gipfel des Ruhms der Absturz: Wildes Liebesbeziehung zu Lord Alfred Douglas („Bosie") bringt ihn in Konflikt mit dessen Vater, dem Marquess von Queensberry. Wilde verklagt ihn wegen Verleumdung und verliert; nun wird er selbst angeklagt: 1895 verurteilt man ihn wegen „grober Unzucht" (Homosexualität war strafbar) zu zwei Jahren Zuchthaus mit harter Arbeit. Aus der Haft in Reading entstehen der Brief „De Profundis" und danach die erschütternde „Ballade vom Zuchthaus zu Reading". Gebrochen und verarmt stirbt Wilde 1900 im Pariser Exil unter dem Namen Sebastian Melmoth.
Wusstest du, dass Großbritannien Wilde erst 2017 postum rehabilitierte, mit zehntausenden anderen nach denselben Gesetzen verurteilten Männern? Sein Grab auf dem Père Lachaise ist heute mit Kussmündern übersät: hinter Schutzglas.
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