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Martin Luther King lernen
12 Fragen · Gesellschaft & Alltag
Er hieß nicht immer Martin. Als Michael King wurde er 1929 in Atlanta geboren, und erst als sein Vater 1934 von einer Reise nach Deutschland zurückkam, tief beeindruckt vom Reformator, änderten beide ihren Namen. Der Sohn wuchs im schwarzen Bürgertum Atlantas auf, übersprang zwei Schulklassen, ging mit fünfzehn aufs College und promovierte mit sechsundzwanzig in Boston in Theologie. Im selben Jahr, in dem er seine erste Pfarrstelle in Montgomery, Alabama, antrat, weigerte sich dort eine Näherin namens Rosa Parks, ihren Busplatz zu räumen. Man suchte einen Sprecher für den Boykott, der daraufhin entstand: jemanden, der noch keine Feinde in der Stadt hatte. King war seit einem Jahr da.
Der Busboykott dauerte 381 Tage und endete mit einem Sieg vor dem Obersten Gerichtshof. Damit war King mit siebenundzwanzig eine nationale Figur. Sein Werkzeug hatte er bei Mahatma Gandhi gefunden, dessen Land er 1959 bereiste: gewaltloser Widerstand, der die Gewalt der Gegenseite sichtbar macht, statt sie zu erwidern. Diese Rechnung ging in Birmingham auf, wo 1963 Hunde und Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzt wurden und die Bilder davon die Nation umdrehten. Im Gefängnis von Birmingham schrieb King seinen berühmten Brief an weiße Geistliche, die ihn zur Geduld ermahnt hatten: Gerechtigkeit, die zu lange aufgeschoben wird, sei verweigerte Gerechtigkeit.
Am 28. August 1963 standen rund 250.000 Menschen vor dem Lincoln Memorial. Der Teil seiner Rede, den heute jedes Kind kennt, stand nicht im Manuskript: die Sängerin Mahalia Jackson rief ihm zu, er solle vom Traum erzählen, und King legte das Blatt beiseite. Ein Jahr später bekam er als bis dahin jüngster Preisträger den Friedensnobelpreis und spendete das gesamte Preisgeld der Bewegung. Der Civil Rights Act 1964 und der Voting Rights Act 1965 waren die politischen Ergebnisse.
Seine letzten Jahre waren unbequemer, als das Denkmal es zulässt. Er sprach über Armut und gegen den Vietnamkrieg, verlor darüber Verbündete und wurde vom FBI mit Wanzen und Drohbriefen verfolgt. Am 3. April 1968 sagte er in Memphis, er sei auf dem Berggipfel gewesen und habe das gelobte Land gesehen. Am nächsten Abend wurde er auf dem Balkon seines Motels erschossen. Er war neununddreißig.
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