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Simone de Beauvoir lernen
10 Fragen · Gesellschaft & Alltag
Simone de Beauvoir, 1908 in Paris in eine bürgerliche Familie geboren, ist ein außergewöhnlich kluges Kind, das früh mit dem katholischen Glauben und den Konventionen ihrer Herkunft bricht. Sie studiert Philosophie an der Sorbonne und legt die berüchtigt schwere Agrégation ab, als damals jüngste Absolventin überhaupt. In der Prüfung wird sie Zweitbeste, knapp hinter einem jungen Mann namens Jean-Paul Sartre. Aus dieser Begegnung wird eine lebenslange, unkonventionelle Partnerschaft: keine Ehe, kein gemeinsamer Haushalt, aber ein intellektuelles Bündnis, das beide bis zum Tod verbindet.
Beauvoir wird zu einer der wichtigsten Denkerinnen des Existentialismus: jener Philosophie, nach der der Mensch kein festes Wesen hat, sondern sich durch seine Entscheidungen selbst erschafft. Sie schreibt Romane, Essays und Tagebücher, doch ihr epochales Werk erscheint 1949: „Das andere Geschlecht". Darin analysiert sie messerscharf, wie „die Frau" über Jahrhunderte zum abweichenden „Anderen" gegenüber dem Mann gemacht wurde.
Aus diesem Buch stammt ihr berühmtester Satz: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es." Damit meint sie: Weiblichkeit ist nicht Natur, sondern gesellschaftliche Prägung. Der Gedanke wird zum Fundament der modernen Frauenbewegung; für die feministische Welle der 1960er und 70er Jahre ist Beauvoir eine Leitfigur.
Sie bleibt zeitlebens politisch engagiert: gegen den Algerienkrieg, für das Recht auf Abtreibung, für die Frauenbewegung. Als sie 1986 stirbt, wird sie neben Sartre auf dem Pariser Friedhof Montparnasse beigesetzt. Ihr Werk gilt bis heute als einer der Grundpfeiler feministischen Denkens: ein Buch, das Millionen Frauen die Sprache gab, ihre eigene Lage zu verstehen.
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