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Dmitri Schostakowitsch lernen
13 Fragen · Musik
Dmitri Schostakowitsch, 1906 in Sankt Petersburg geboren, ist 19, als seine 1. Sinfonie ihn international bekannt macht: ein Wunderkind der jungen Sowjetunion. Doch sein Leben wird zum gefährlichen Tanz mit der Macht. 1936 besucht Stalin seine erfolgreiche Oper „Lady Macbeth von Mzensk" und verlässt sie vorzeitig. Tags darauf erscheint in der Prawda der Verriss „Chaos statt Musik", eine unverhohlene Drohung in Zeiten des Großen Terrors. Schostakowitsch hält monatelang einen gepackten Koffer bereit und rettet sich mit der 5. Sinfonie, die das Regime als Reuewerk liest, deren gepresster Jubel im Finale sich aber auch ganz anders verstehen lässt. Diese Doppelbödigkeit wird sein Markenzeichen: Musik, die offiziell konform klingt und zwischen den Zeilen spricht.
Im Zweiten Weltkrieg wird er zur Symbolfigur: Seine 7. Sinfonie, die „Leningrader", entsteht teils in der von der Wehrmacht belagerten Stadt und wird dort 1942 von ausgehungerten Musikern aufgeführt: über Lautsprecher auch in Richtung der deutschen Linien. 1948 trifft ihn die zweite Verdammung: Die Schdanow-Kampagne wirft ihm „Formalismus" vor, seine Werke verschwinden aus den Konzertsälen, er unterrichtet nicht mehr und schreibt für die Schublade, etwa das 1. Violinkonzert für David Oistrach.
Nach Stalins Tod 1953 antwortet er mit der düsteren 10. Sinfonie, in der sein Tonkürzel D-Es-C-H (D-S-C-H) über ein brutales Scherzo triumphiert, das viele als Stalin-Porträt deuten. Insgesamt hinterlässt er 15 Sinfonien und 15 Streichquartette: die Quartette gelten als sein heimliches Tagebuch.
Wusstest du, dass Schostakowitsch ein leidenschaftlicher Fußballfan war? Er besaß sogar ein Schiedsrichterdiplom. Er stirbt 1975 in Moskau, als Chronist eines Jahrhunderts der Gewalt, dessen wahre Haltung bis heute diskutiert wird.
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