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Die ältesten Vormenschen lernen

12 Fragen · Wissenschaft

Je weiter man in der Zeit zurückgeht, desto dünner wird die Fundlage und desto heftiger der Streit. Die ältesten Kandidaten für die Zeit kurz nach der Trennung von der Schimpansenlinie sind drei: Sahelanthropus tchadensis, gefunden 2001 im Tschad und rund sieben Millionen Jahre alt, mit dem Spitznamen Toumaï, was in der Sprache der Daza „Hoffnung des Lebens“ heißt; Orrorin tugenensis aus Kenia, etwa sechs Millionen Jahre alt und wegen seines Oberschenkelknochens „Millennium-Mensch“ getauft; und Ardipithecus ramidus, dessen Teilskelett „Ardi“ nach fünfzehn Jahren Präparation 2009 vorgestellt wurde: 4,4 Millionen Jahre alt und so zerdrückt, dass die Rekonstruktion einem Puzzle aus Tausenden Splittern glich. Was diese drei so wichtig macht, ist die Frage, die sie beantworten sollen: Wann und warum stellte sich unsere Linie auf zwei Beine? Sahelanthropus' Hinterhauptsloch sitzt weit vorn, wie bei aufrecht Gehenden. Ardi wiederum hatte einen abspreizbaren großen Zeh zum Klettern und ging trotzdem am Boden aufrecht und lebte in einem Wald, nicht in der Savanne. Damit kippte die populäre Erzählung, der Mensch sei aufgestanden, weil die Wälder zur Steppe wurden. Sicher ist bei alldem wenig; jede dieser Arten wurde schon als Menschenvorfahr gefeiert und als Menschenaffe abgetan. Gerade das macht diese Zeitspanne so lehrreich: Hier sieht man Wissenschaft nicht als fertiges Ergebnis, sondern als Ringen um die Deutung weniger Knochen.

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In PurFact kommt jede Karte genau dann wieder, wenn du sie sonst vergessen würdest. So bleibt das Wissen hängen.

Alle Fragen mit Lösung

Toumaï

Foto: Didier Descouens · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Wie lautet der Spitzname des ältesten bekannten Vormenschen-Schädels?

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Toumaï

Sahelanthropus tchadensis, gefunden 2001 in der Wüste Djurab im Tschad. Toumaï heißt in der Sprache der Daza „Hoffnung des Lebens“; der Name für Kinder, die vor der Trockenzeit geboren werden.

Wie alt ist Sahelanthropus tchadensis etwa?

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Rund sieben Millionen Jahre

Damit lebte er ungefähr zur Zeit der Trennung von der Schimpansenlinie: ob davor, danach oder genau dazwischen, ist der Kern des Streits.

In welchem Land wurde Toumaï gefunden (weit weg von den üblichen Fundgebieten)?

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Im Tschad

Rund 2500 Kilometer westlich des ostafrikanischen Grabenbruchs. Der Fund zeigte, dass frühe Hominini viel weiter verbreitet waren als gedacht.

Woran erkennt man an einem Schädel, ob sein Besitzer aufrecht ging?

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Am Sitz des Hinterhauptslochs

Bei Vierbeinern liegt das Foramen magnum hinten, bei aufrecht Gehenden mittig unten: der Kopf muss ja auf der Wirbelsäule balancieren. Bei Toumaï sitzt es weit vorn.

Ardi

Foto: Tiia Monto · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Wie heißt das 4,4 Millionen Jahre alte Teilskelett aus Aramis in Äthiopien, dessen Auswertung 2009 erschien?

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Ardi

Fünfzehn Jahre dauerte die Präparation: Die Knochen waren so zerdrückt, dass sie beim Berühren zerfielen. 2009 erschien die Auswertung in elf Fachaufsätzen zugleich.

Was hatte Ardi, das heutigen Menschen fehlt?

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Einen abspreizbaren großen Zeh

Ein Greiffuß zum Klettern und trotzdem konnte Ardi am Boden aufrecht gehen. Beides zugleich, eine Mischung, die es heute nicht mehr gibt.

Welche populäre Erklärung des aufrechten Gangs erschütterte Ardis Lebensraum?

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Dass die Savanne den Menschen aufrichtete

Ardi lebte nach Deutung ihrer Entdecker im Wald. Die Savannen-Hypothese (Wälder verschwinden, Vorfahren stehen auf, um über Gras zu spähen) geriet damit ins Wanken. Unumstritten ist das nicht: Andere Fachleute lesen aus denselben Funden seit 2010 eher eine offene Baumsavanne.

Welcher Vormensch aus Kenia trägt den Beinamen „Millennium-Mensch“?

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Orrorin tugenensis

Gefunden im Jahr 2000, rund sechs Millionen Jahre alt. Sein Oberschenkelhals zeigt Belastungsspuren, wie sie beim aufrechten Gang entstehen.

Wann trennten sich die Linien von Mensch und Schimpanse nach heutiger Schätzung?

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Vor etwa sechs bis sieben Millionen Jahren

Molekulare Uhren und Fossilien deuten auf diesen Zeitraum. Die Trennung war vermutlich kein sauberer Schnitt, sondern zog sich über Hunderttausende Jahre.

Warum ist die Einordnung dieser ältesten Funde so umstritten?

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Weil es zu wenige Knochen gibt

Von Sahelanthropus kennt man im Wesentlichen einen verdrückten Schädel und wenige Reste. Jede Deutung hängt an Details, die sich unterschiedlich lesen lassen.

Welche Gattung steht zeitlich zwischen den ältesten Vormenschen und Australopithecus?

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Ardipithecus

Etwa 5,8 bis 4,4 Millionen Jahre alt und damit die Brücke zu Lucys Gattung. Der Name kommt aus der Afar-Sprache: ardi heißt „Boden“.

Welche Zahnveränderung gilt als frühes Kennzeichen der Menschenlinie?

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Der kleiner werdende Eckzahn

Menschenaffen-Männchen tragen lange Eckzähne zum Imponieren und Drohen. Schon bei Sahelanthropus und Ardi sind sie klein: ein Hinweis auf weniger Rivalenkämpfe.

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