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Homo naledi lernen

12 Fragen · Wissenschaft

Die Geschichte von Homo naledi beginnt mit zwei Höhlenforschern, die sich 2013 im südafrikanischen Höhlensystem Rising Star durch einen 18 Zentimeter breiten Spalt zwängten und in einer Kammer landeten, deren Boden mit Knochen bedeckt war. Was folgte, war eine der ungewöhnlichsten Grabungen der Wissenschaftsgeschichte: Der Paläoanthropologe Lee Berger suchte per Facebook-Aufruf nach Fachleuten, die schlank genug für den Spalt und erfahren genug für die Arbeit waren: sechs Frauen bekamen den Job und wurden als „Underground Astronauts“ berühmt. Sie bargen über 1500 Knochen von mindestens 15 Individuen, das reichste Hominini-Fundmaterial Afrikas. Die Art, die sie zutage brachten, ist ein Mosaik: Füße fast wie unsere, Hände mit gekrümmten Kletterfingern, Schultern eines Baumbewohners und ein Gehirn von der Größe einer Orange, rund 500 Kubikzentimeter. Die größte Überraschung kam mit der Datierung 2017: nur etwa 236.000 bis 335.000 Jahre alt. Diese kleinhirnige Art lebte also nicht in grauer Vorzeit, sondern ungefähr zeitgleich mit den frühesten Homo sapiens. Erklärungsbedürftig bleibt, wie die Toten in die schwer zugängliche Kammer kamen. Bergers Team hält bewusstes Ablegen für wahrscheinlich, zusammen mit Kohlespuren und geritzten Wandzeichen; viele Fachleute halten dagegen und verweisen auf Wasser, Verschüttung oder Raubtiere. Der Streit ist offen und wird ungewöhnlich hart geführt: Wissenschaft im Vollzug, mitten in ihrem produktivsten Aggregatzustand.

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Alle Fragen mit Lösung

Im Rising-Star-Höhlensystem

Foto: Lee Roger Berger research team · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

An welcher südafrikanischen Fundstelle wurde Homo naledi gefunden?

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Im Rising-Star-Höhlensystem

In der „Wiege der Menschheit“ nahe Johannesburg. Die Fundkammer heißt Dinaledi: „Sterne“ auf Sesotho, daher auch der Artname naledi: „Stern“.

Wie nannte man die sechs schlanken Forscherinnen, die die Knochen bargen?

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Underground Astronauts

Lee Berger suchte sie per Facebook-Aufruf: Höhlenerfahrung, Grabungswissen und eine Schulterbreite, die durch einen 18 Zentimeter schmalen Spalt passt. Es meldeten sich Dutzende.

Wie groß war das Gehirn von Homo naledi?

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Etwa 500 Kubikzentimeter

Ungefähr wie eine Orange und kleiner als bei Homo habilis und das bei einer Art, die erst vor rund 300.000 Jahren lebte.

Wie alt sind die Funde von Homo naledi?

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Etwa 236.000 bis 335.000 Jahre

Die Datierung 2017 war die eigentliche Sensation: Man hatte die Art wegen ihrer archaischen Züge auf zwei Millionen Jahre geschätzt. Sie lebte zeitgleich mit den ersten Homo sapiens.

Was macht den Körperbau von Homo naledi so ungewöhnlich?

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Er mischt moderne und archaische Merkmale

Fast moderne Füße und Zähne, aber Kletterhände, Schultern eines Baumbewohners und ein winziges Gehirn: Evolution setzt Merkmale nicht im Paket um, sondern einzeln.

Über 1500

Foto: Lee Roger Berger research team · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Wie viele Fossilteile barg das Team 2013/14 aus der Dinaledi-Kammer?

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Über 1500

Von mindestens 15 Individuen aller Altersstufen: das reichste Fundmaterial früher Menschen in ganz Afrika, alles aus einer einzigen Kammer.

Wer leitete die Erforschung von Homo naledi?

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Lee Berger

Der amerikanisch-südafrikanische Paläoanthropologe machte auch mit offener Publikationspolitik Schlagzeilen: Die Fundbeschreibungen erschienen frei zugänglich, Scans der Knochen zum Download.

Worüber streitet die Forschung bei Homo naledi besonders heftig?

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Ob die Toten bewusst dort abgelegt wurden

Bergers Team hält Bestattungen für wahrscheinlich: bei einem Orangen-großen Gehirn ein starkes Stück. Andere führen Wasser, Einbrüche oder Raubtiere als Erklärung an. Entschieden ist nichts.

Was bedeutet „naledi“ in der Sprache Sesotho?

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Stern

Nach der Fundkammer Dinaledi, den „Sternen“, und nach dem Höhlensystem Rising Star. Ein seltener Fall, in dem der Artname aus einer lokalen Sprache stammt.

Was macht die Fundkammer so schwer zugänglich?

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Ein Spalt von nur 18 Zentimetern Breite

Dahinter geht es 12 Meter senkrecht hinab. Genau diese Unzugänglichkeit ist das Argument der Bestattungs-These und zugleich das Rätsel: Wie kamen die Körper dort hinein?

Welche Altersgruppen fand man in der Kammer?

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Alle: vom Säugling bis zum Greis

Ein untypisches Bild: Raubtiere hinterlassen meist Junge und Schwache. Die vollständige Altersverteilung ist eines der Argumente gegen Fressfeinde als Ursache.

Welche verbreitete Annahme stellte Homo naledi infrage?

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Dass ein kleines Gehirn primitives Verhalten bedeutet

Zusammen mit Homo floresiensis zeigt naledi: Gehirngröße und Fähigkeiten hängen weniger streng zusammen, als lange gedacht: auf die Verschaltung kommt es an.

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