Wie viel Neandertaler-DNA tragen Menschen außerhalb Afrikas im Schnitt?
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Ein bis zwei Prozent
Das Erbe gemeinsamer Kinder nach der Auswanderung aus Afrika. Manche dieser Gene wirken bis heute auf Immunabwehr, Haut und Schlaf.
12 Fragen · Wissenschaft
Kein anderer Urmensch hat so unter seinem Ruf gelitten. Als Steinbrucharbeiter 1856 im Neandertal bei Düsseldorf ein Schädeldach und Knochen fanden, hielt man sie erst für die Überreste eines verunglückten Kosaken mit Rachitis; später machte eine fehlerhafte Rekonstruktion aus einem stark arthritischen alten Mann den Prototyp des gebückt schlurfenden Dummkopfs. Beides war falsch. Neandertaler gingen so aufrecht wie wir, hatten im Schnitt ein etwas größeres Gehirn als der moderne Mensch, jagten mit Speeren im Team, versorgten Kranke über Jahre, stellten Birkenpech-Kleber her (ein Verfahren, das Temperaturkontrolle unter Luftabschluss verlangt) und bemalten vermutlich schon vor 64.000 Jahren spanische Höhlenwände, lange bevor Homo sapiens Europa erreichte. Ihr Körper war ein Kältemodell: kräftig, breitbrüstig, mit kurzen Extremitäten, die Wärme sparen. Sie lebten rund 400.000 bis 40.000 Jahre vor heute in Europa und Westasien. Und sie verschwanden nicht spurlos. Als Svante Pääbos Team 2010 ihr Genom entzifferte, zeigte sich, dass alle heutigen Menschen außerhalb Afrikas ein bis zwei Prozent Neandertaler-DNA tragen: Erbe von Begegnungen und gemeinsamen Kindern. Manche dieser Gene beeinflussen bis heute Immunsystem, Hautbeschaffenheit und Schlafverhalten. Warum die Neandertaler ausstarben, ist ungeklärt; wahrscheinlich war es kein Krieg, sondern eine Mischung aus Klimaschwankungen, kleinen Populationen und schlichter Verdrängung. Ihr wissenschaftlicher Name ist eine Ironie der Geschichte: Das Tal hieß nach dem Kirchenlieddichter Joachim Neander und „Neander“ ist die gräzisierte Form von „Neumann“.
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Ein bis zwei Prozent
Das Erbe gemeinsamer Kinder nach der Auswanderung aus Afrika. Manche dieser Gene wirken bis heute auf Immunabwehr, Haut und Schlaf.
Foto: AquilaGib · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Vom Neandertal bei Düsseldorf
1856 fanden dort Steinbrucharbeiter die ersten anerkannten Knochen. Das Tal wiederum ist nach dem Kirchenlieddichter Joachim Neander benannt, dessen Familienname eigentlich Neumann lautete.
Im Schnitt etwas größer
Rund 1500 gegenüber etwa 1350 Kubikzentimetern. Größe allein sagt wenig über Denkleistung: der Bau der Gehirnbereiche unterschied sich.
Nein
Das Bild geht auf die Rekonstruktion eines alten, schwer arthritischen Skeletts von 1911 zurück. Neandertaler standen und gingen so aufrecht wie wir.
Vor etwa 400.000 bis 40.000 Jahren
In Europa und Westasien bis nach Sibirien. Die letzten Rückzugsgebiete lagen vermutlich im Süden der Iberischen Halbinsel.
Foto: Neanderthal-Museum, Mettmann · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Es war eine Anpassung an Kälte
Ein gedrungener Körper hat im Verhältnis zum Volumen weniger Oberfläche und verliert weniger Wärme: dasselbe Bauprinzip zeigen heutige Bewohner arktischer Regionen.
Birkenpech
Birkenrinde muss dafür unter Luftabschluss auf mehrere hundert Grad erhitzt werden: ein mehrstufiges Verfahren, das Planung und Kontrolle über das Feuer verlangt.
Wandmalereien der Neandertaler
Rote Linien, Punkte und Handnegative, datiert auf mindestens 64.000 Jahre. Damit wären Neandertaler die ersten bekannten Höhlenmaler; die Datierung wird noch diskutiert.
Kranke wurden über lange Zeit versorgt
Der berühmte „alte Mann von La Chapelle“ überlebte mit fast zahnlosem Kiefer und schwerer Arthrose: allein wäre das kaum möglich gewesen.
Das Team von Svante Pääbo
Am Max-Planck-Institut in Leipzig: dafür gab es 2022 den Medizin-Nobelpreis. Erst das Genom machte aus der Vermutung Gewissheit: Es gab gemeinsame Kinder.
Ein Zusammenspiel aus Klima, kleinen Gruppen und Verdrängung
Ein „Krieg der Arten“ ist nicht belegt. Kleine, isolierte Populationen mit wenig genetischer Vielfalt sind anfällig: schon geringe Nachteile summieren sich über Jahrtausende.
Ein Zungenbein wie unseres
Der Fund aus der Kebara-Höhle in Israel gleicht dem modernen Zungenbein und Neandertaler trugen dieselbe Variante des Sprachgens FOXP2 wie wir.
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