🧬
Menschwerdung: Überblick lernen
15 Fragen · Wissenschaft
Die Geschichte der Menschwerdung ist keine Leiter, sondern ein Dickicht. Die berühmte Grafik, auf der ein gebückter Affe über vier Zwischenstufen zum aufrechten Herrn im Anzug wird, ist das hartnäckigste Missverständnis der Paläoanthropologie: In Wahrheit lebten fast immer mehrere Menschenarten gleichzeitig, mal nebeneinander, mal auf verschiedenen Kontinenten, und die meisten Zweige endeten ohne Nachkommen. Noch vor 60.000 Jahren teilten sich Homo sapiens, Neandertaler, Denisova-Menschen, der Zwergmensch von Flores und wohl auch Homo luzonensis die Erde. Dass wir heute allein sind, ist der Ausnahmezustand, nicht die Regel. Ebenso falsch ist der Satz, der Mensch stamme vom Schimpansen ab. Schimpansen sind keine Vorfahren, sondern Cousins: Beide Linien gehen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück, der vor etwa sechs bis sieben Millionen Jahren in Afrika lebte und weder Schimpanse noch Mensch war. Der Weg von dort führte über eine Reihe von Umbauten, die selten gleichzeitig kamen. Zuerst der aufrechte Gang, bezeugt durch die 3,6 Millionen Jahre alten Fußspuren von Laetoli: lange bevor das Gehirn wuchs. Dann die Werkzeuge, dann das Feuer, das Nahrung aufschloss und Zeit schenkte, dann ein Gehirn, das sich in rund drei Millionen Jahren fast verdreifachte und heute rund ein Fünftel unserer Energie verbraucht. Und schließlich das, was keine Knochen hinterlässt: Sprache, Erzählungen, Kunst. Was Fossilien uns verschweigen, verrät inzwischen das Erbgut: auch aus bloßem Höhlensediment, in dem längst kein Knochen mehr liegt.
Kostenlos üben
In PurFact kommt jede Karte genau dann wieder, wenn du sie sonst vergessen würdest. So bleibt das Wissen hängen.