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Nina Simone lernen
9 Fragen · Musik
Sie wollte nie Sängerin werden. Eunice Waymon, 1933 in einer Kleinstadt in North Carolina geboren, spielte mit drei Jahren Klavier nach Gehör und mit sechs in der Kirche ihrer Mutter. Eine weiße Klavierlehrerin unterrichtete sie umsonst, die Nachbarschaft sammelte Geld; das Kind sollte die erste schwarze Konzertpianistin Amerikas werden. Bei ihrem ersten Auftritt mit elf Jahren wollte man ihre Eltern aus der ersten Reihe nach hinten setzen. Sie weigerte sich zu spielen, bis die beiden zurückdurften.
Dann kam die Absage, die alles veränderte. Das renommierte Curtis Institute in Philadelphia nahm sie nicht auf. Sie war überzeugt, dass es an ihrer Hautfarbe lag, und kam davon ihr Leben lang nicht los. Um Unterricht bezahlen zu können, spielte sie in einer Bar in Atlantic City und erfuhr am ersten Abend, dass sie auch singen müsse. Ihren Künstlernamen erfand sie an Ort und Stelle, damit ihre streng gläubige Mutter nie erführe, dass sie in Kneipen „Teufelsmusik“ machte: Nina nach einem Kosenamen, Simone nach der französischen Schauspielerin Simone Signoret.
Was dabei entstand, passte in keine Schublade. Bach-Fugen, die mitten in einen Blues kippten, Jazzstandards, Gospel, Chansons, Volkslieder; sie selbst nannte es schlicht schwarze klassische Musik und hasste das Etikett Jazz. 1964 hörte die Sache auf, unpolitisch zu sein. Nach der Ermordung des Aktivisten Medgar Evers und dem Bombenanschlag auf eine Kirche in Birmingham, bei dem vier Mädchen starben, schrieb sie „Mississippi Goddam“ in einer knappen Stunde. Der Süden boykottierte die Platte, Radiosender schickten zerbrochene Exemplare zurück.
Sie sang weiter für die Bewegung, verlor darüber einen Teil ihres Publikums und verließ die USA Anfang der 1970er im Zorn. Es folgten Jahre in Barbados, Liberia, der Schweiz und schließlich Südfrankreich, oft in schwierigen Umständen; erst spät wurde bei ihr eine bipolare Störung diagnostiziert und behandelt. Sie starb 2003 in Frankreich. Kurz zuvor hatte das Curtis Institute ihr die Ehrendoktorwürde verliehen: fünfzig Jahre nach der Ablehnung, zwei Tage vor ihrem Tod.
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