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Avicenna lernen
12 Fragen · Philosophie
Ibn Sina, im Westen Avicenna genannt, wird um 980 bei Buchara (im heutigen Usbekistan) geboren und ist eines der erstaunlichsten Wunderkinder der Geistesgeschichte: Mit zehn kann er den Koran auswendig, mit 16 behandelt er als Arzt Patienten, mit 18, so berichtet er selbst, habe er alle Wissenschaften seiner Zeit durchgearbeitet. Nur Aristoteles' „Metaphysik" habe er vierzigmal gelesen, ohne sie zu verstehen: bis ihm ein Kommentar des Philosophen al-Farabi die Augen öffnete.
Sein Leben ist ein Roman: Als Arzt heilt er den Emir von Buchara und erhält dafür Zugang zu dessen legendärer Bibliothek; später dient er wechselnden Fürsten in Persien als Leibarzt und sogar als Wesir, gerät zwischen die Fronten, sitzt im Gefängnis, flieht verkleidet und schreibt dabei ein Werk von enzyklopädischem Ausmaß, oft nachts nach getaner Staatsarbeit. Zwei Bücher machen ihn unsterblich: Der „Kanon der Medizin" fasst das gesamte Heilwissen seiner Zeit systematisch zusammen und bleibt in Europa bis ins 17. Jahrhundert das medizinische Standardlehrbuch der Universitäten. Und das „Buch der Heilung" (trotz des Titels ein philosophisches Werk) verbindet Aristoteles mit islamischem Denken und prägt über Übersetzungen auch die christliche Scholastik: Thomas von Aquin zitiert Avicenna ausgiebig.
Berühmt ist sein Gedankenexperiment vom „fliegenden Menschen": Ein Mensch, im leeren Raum schwebend erschaffen, ohne jede Sinneswahrnehmung: selbst er wäre sich seiner selbst gewiss. Das Selbstbewusstsein hängt nicht am Körper; Jahrhunderte vor Descartes' „Cogito" ein Argument für die Eigenständigkeit der Seele.
Wusstest du, dass Avicenna auch über Musik, Astronomie und Alchemie schrieb, deren Goldmacherei er als Fälschung entlarvte? Er stirbt 1037 in Hamadan; sein Mausoleum dort ist bis heute ein Nationaldenkmal Irans.
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