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Michel Foucault lernen
13 Fragen · Philosophie
Michel Foucault, 1926 in Poitiers als Sohn eines Chirurgen geboren, soll Arzt werden wie der Vater und wird stattdessen der Denker, der die Medizin, die Psychiatrie und das Gefängnis selbst auf den Seziertisch legt. Nach dem Studium an der Pariser Elitehochschule École normale supérieure und Stationen in Uppsala, Warschau und Hamburg macht ihn 1961 „Wahnsinn und Gesellschaft" bekannt: eine Geschichte darüber, wie die Vernunft den „Wahnsinn" ausgrenzte und wegsperrte.
Foucaults Lebensthema ist das Verhältnis von Wissen und Macht. Seine Methode nennt er zunächst „Archäologie", später „Genealogie": Er gräbt die verborgenen Ordnungen aus, die bestimmen, was eine Epoche überhaupt denken und sagen kann. Sein berühmtestes Buch „Überwachen und Strafen" (1975) erzählt den Wandel vom öffentlichen Spektakel der Marter zur modernen Disziplinargesellschaft, die Menschen durch Überwachung, Normierung und Prüfung formt: Sinnbild ist Benthams „Panopticon", das Rundgefängnis mit dem unsichtbaren Wächter im Zentrum: Wer sich beobachtet glaubt, überwacht sich selbst. Macht ist für Foucault nicht bloß Verbot von oben, sondern ein produktives Netz, das Wissen, Institutionen und sogar unsere Selbstbilder hervorbringt. Zuletzt arbeitet er an einer mehrbändigen Geschichte der Sexualität.
1970 wird Foucault ans Collège de France berufen, auf einen Lehrstuhl, den er selbst „Geschichte der Denksysteme" tauft. Der kahlköpfige Professor mit der Nickelbrille wird zur Ikone: politisch engagiert für Gefangene und Randgruppen, gefeiert und umstritten: Kritiker werfen ihm Relativismus vor, und seine anfängliche Begeisterung für die iranische Revolution 1978/79 gilt als Fehleinschätzung.
Wusstest du, dass Foucault einer der meistzitierten Autoren der Geistes- und Sozialwissenschaften weltweit ist? Er stirbt 1984 in Paris an den Folgen von Aids, als eine der ersten prominenten Persönlichkeiten Frankreichs.
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