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Karl Popper lernen
12 Fragen · Philosophie
Karl Popper, 1902 in Wien geboren, wächst im intellektuellen Klima der Donaumetropole auf, arbeitet als junger Mann als Tischlerlehrling, Sozialarbeiter und Lehrer und ringt nebenher mit einer Frage, die ihn nie loslässt: Was unterscheidet echte Wissenschaft von bloßer Pseudowissenschaft? Marxismus und Psychoanalyse, beobachtet er, können scheinbar alles erklären: gerade das macht ihn misstrauisch. Einsteins Relativitätstheorie dagegen wagt Vorhersagen, an denen sie scheitern könnte. Daraus wird seine berühmte Antwort: Wissenschaftlich ist eine Theorie nicht, wenn sie sich bestätigen lässt, sondern wenn sie widerlegbar ist: das Kriterium der Falsifizierbarkeit, entfaltet in der „Logik der Forschung" (1934). Kein noch so häufiger Anblick weißer Schwäne beweist, dass alle Schwäne weiß sind; ein einziger schwarzer widerlegt es. Wissenschaft wächst durch kühne Vermutungen und strenge Widerlegungen: „Kritischer Rationalismus" heißt Poppers Programm.
Vor dem Nationalsozialismus flieht Popper, als Wiener jüdischer Herkunft doppelt bedroht: 1937 nach Neuseeland. Dort schreibt er sein „Kriegswerk": „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" (1945), eine leidenschaftliche Verteidigung der Demokratie und Abrechnung mit den totalitären Denktraditionen, die er bis zu Platon, Hegel und Marx zurückverfolgt. Kerngedanke: Nicht „Wer soll herrschen?" ist die Frage, sondern: Wie werden wir schlechte Herrscher ohne Blutvergießen wieder los? Statt Utopien im Großen empfiehlt er Stückwerk-Reformen, deren Fehler korrigierbar bleiben.
Ab 1946 lehrt Popper an der London School of Economics; 1965 wird er geadelt. Berühmt bleibt auch das „Toleranz-Paradoxon": Unbegrenzte Toleranz gegenüber den Intoleranten zerstört die Toleranz selbst.
Wusstest du, dass ein Streit mit Wittgenstein in Cambridge 1946 als „Feuerhaken-Affäre" in die Philosophiegeschichte einging? Popper stirbt 1994 bei London, 92 Jahre alt.
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