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Bertrand Russell lernen
13 Fragen · Philosophie
Bertrand Russell, 1872 in eine der großen Adelsfamilien Englands geboren (sein Großvater war zweimal Premierminister), verliert früh die Eltern und wächst streng bei der Großmutter auf. Die Mathematik wird ihm zur Offenbarung: Ihre Gewissheit will er philosophisch begründen. Mit Alfred North Whitehead schreibt er die monumentalen „Principia Mathematica" (1910 bis 1913), den Versuch, die gesamte Mathematik aus der Logik abzuleiten: berühmt die Stelle, an der nach hunderten Seiten endlich 1+1=2 bewiesen ist. Zuvor hatte er mit der „Russell-Antinomie" (der Menge aller Mengen, die sich nicht selbst enthalten) die Grundlagen der Mengenlehre erschüttert. Mit Frege, Moore und seinem Schüler Wittgenstein begründet er die analytische Philosophie, deren Werkzeug die logische Analyse der Sprache ist.
Russell ist aber auch der engagierteste öffentliche Intellektuelle seiner Zeit: Im Ersten Weltkrieg wandert der Pazifist für seine Überzeugung ins Gefängnis und verliert seine Stelle am Trinity College. Später schreibt er für ein Massenpublikum über Ehe, Erziehung und Glück (die „Eroberung des Glücks" ist bis heute ein Bestseller), gründet eine fortschrittliche Schule und erhält 1950 den Literaturnobelpreis. Sein Welterfolg „Philosophie des Abendlandes" erzählt die ganze Ideengeschichte mit britischem Witz.
Im Alter kämpft er gegen die Atombombe: 1955 initiiert er mit Einstein das Russell-Einstein-Manifest (Einsteins letzte Unterschrift), wird erster Präsident der Kampagne für nukleare Abrüstung und sitzt mit 89 noch einmal im Gefängnis, nach einer Sitzblockade.
Wusstest du, dass Russells berühmtes „himmlisches Teekännchen" bis heute in Religionsdebatten zitiert wird? Wer Unbeweisbares behauptet, trägt die Beweislast: nicht der Zweifler. Russell stirbt 1970 mit 97 Jahren in Wales: bis zuletzt wach, streitbar und von unverwüstlichem Humor.
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