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Seneca lernen
12 Fragen · Philosophie
Lucius Annaeus Seneca, um 4 v. Chr. im spanischen Corduba (Córdoba) geboren, ist der berühmteste römische Vertreter der Stoa und ein Mann voller Widersprüche: Er predigt Genügsamkeit und ist einer der reichsten Männer Roms; er preist die Zurückgezogenheit und steht jahrelang im Zentrum der Macht. Als brillanter Redner und Anwalt macht er in Rom Karriere, bis Kaiser Claudius ihn 41 n. Chr. nach Korsika verbannt: angeblich wegen einer Hofaffäre. Acht Jahre später holt ihn Kaiserin Agrippina zurück: Er soll ihren Sohn erziehen, den zwölfjährigen Nero.
Als Nero 54 n. Chr. Kaiser wird, lenkt Seneca gemeinsam mit dem Prätorianerpräfekten Burrus faktisch das Reich: die ersten fünf Jahre gelten als gute Regierungszeit. Doch der Zögling entgleitet seinem Lehrer; nach dem Muttermord Neros zieht sich Seneca zurück und widmet sich dem Schreiben. Jetzt entstehen seine berühmtesten Werke: die „Briefe an Lucilius", Lebensweisheit in Briefform, und Schriften wie „Vom glücklichen Leben" und „Von der Kürze des Lebens"; deren Botschaft bis heute trifft: Das Leben ist nicht kurz, wir verschwenden nur viel davon. Die stoische Kunst besteht darin, zwischen dem zu unterscheiden, was in unserer Macht steht, und dem, was nicht und das Schicksal gelassen anzunehmen: „Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen schleift es."
65 n. Chr. wird Seneca beschuldigt, in die Pisonische Verschwörung gegen Nero verwickelt zu sein. Der Kaiser befiehlt dem alten Lehrer die Selbsttötung. Seneca öffnet sich die Adern: gefasst, wie es die Stoa lehrt; die Szene wurde zu einem der berühmtesten Motive der Kunstgeschichte.
Wusstest du, dass Seneca auch blutige Tragödien schrieb: „Medea", „Ödipus", „Thyestes"? Sie prägten das Theater der Renaissance, auch Shakespeare lernte von ihnen.
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