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Sokrates lernen
13 Fragen · Philosophie
Athen im 5. Jahrhundert vor Christus: Auf dem Marktplatz spricht ein barfüßiger Mann mit Stupsnase Passanten an und stellt Fragen. Was ist Gerechtigkeit? Was ist Mut? Was ist das Gute? Sokrates, um 469 v. Chr. als Sohn eines Steinmetzen und einer Hebamme geboren, hat kein Buch geschrieben, keine Schule gegründet, kein Honorar genommen und wurde doch zur Gründungsfigur der abendländischen Philosophie. Alles, was wir über ihn wissen, stammt aus den Schriften anderer, allen voran seines Schülers Platon.
Seine Methode nennt er selbst (in Anspielung auf den Beruf der Mutter) Hebammenkunst (Mäeutik): Er trägt keine Lehren vor, sondern hilft dem Gesprächspartner durch geschicktes Fragen, selbst auf Einsichten zu kommen. Dabei zerlegt er scheinbar sicheres Wissen so gründlich, dass am Ende oft die berühmte sokratische Einsicht steht, die als „Ich weiß, dass ich nichts weiß" sprichwörtlich wurde. Das Orakel von Delphi soll ihn zum weisesten aller Menschen erklärt haben: gerade weil er als Einziger sein Nichtwissen kannte.
Den Mächtigen Athens wird der unbequeme Frager lästig. 399 v. Chr. wird der Siebzigjährige angeklagt: Er verderbe die Jugend und führe neue Götter ein. Vor Gericht verteidigt er sich stolz statt reumütig und wird zum Tode verurteilt. Fluchtpläne seiner Freunde lehnt er ab: Wer zeitlebens die Gesetze der Stadt genossen habe, dürfe sich ihnen nicht entziehen. Im Kreis seiner Schüler leert er gefasst den Becher mit dem Schierlingsgift.
Wusstest du, dass Sokrates zuvor als Hoplit in drei Feldzügen gekämpft hatte und für seine Zähigkeit berühmt war? Sein Tod machte ihn unsterblich: Platon setzte ihm in seinen Dialogen ein Denkmal und machte den Frager vom Marktplatz zur Hauptfigur der Philosophiegeschichte.
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