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Baruch de Spinoza lernen
13 Fragen · Philosophie
Baruch de Spinoza, 1632 in Amsterdam geboren, entstammt einer Familie portugiesischer Juden, die vor der Inquisition in die tolerante Handelsstadt geflohen war. Der brillante Talmudschüler beginnt früh, unbequeme Fragen zu stellen: zu unbequeme: 1656 verhängt die jüdische Gemeinde den „Cherem" über den 23-Jährigen, den großen Bann mit Flüchen von seltener Schärfe. Spinoza wird aus seiner Welt ausgestoßen und macht daraus ein Leben in radikaler Unabhängigkeit: Er schlägt Erbschaft und später sogar einen Heidelberger Lehrstuhl aus und verdient seinen Lebensunterhalt als Linsenschleifer für optische Geräte.
Sein Denken ist so radikal wie sein Leben: „Deus sive Natura": Gott oder die Natur. Für Spinoza gibt es nur eine einzige unendliche Substanz; Gott ist kein persönlicher Schöpfer außerhalb der Welt, sondern eins mit ihr. Alles geschieht mit Notwendigkeit; Freiheit heißt nicht Willkür, sondern Einsicht in diese Notwendigkeit. Sein Hauptwerk, die „Ethik", baut diese Lehre auf wie ein Geometriebuch: „nach geometrischer Methode", mit Definitionen, Axiomen und Beweisen. Ihr Ziel ist praktisch: die Befreiung von den Affekten hin zur „geistigen Liebe zu Gott" und zur Gelassenheit. Erscheinen kann das Buch erst nach seinem Tod; schon sein „Theologisch-politischer Traktat", der die Bibel als historisches Dokument liest und Gedankenfreiheit fordert, gilt als eines der skandalösesten Bücher des Jahrhunderts und wird verboten.
Zeitgenossen verdammen ihn als Atheisten; spätere Generationen entdecken ihn neu: Goethe, Einstein („Ich glaube an Spinozas Gott") und die Aufklärung insgesamt stehen in seiner Schuld.
Wusstest du, dass Spinoza bescheiden zur Untermiete lebte und Angebote reicher Bewunderer ausschlug? Er stirbt 1677 in Den Haag mit nur 44 Jahren an einem Lungenleiden: womöglich verschlimmert durch den Glasstaub seiner Werkstatt.
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