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Ethik lernen
6 Fragen · Philosophie
Wie soll man handeln, und was macht ein gutes Leben aus? Auf diese Frage geben die großen ethischen Entwürfe erstaunlich verschiedene Antworten und die meisten davon sind älter als zweitausend Jahre.
Der Hedonismus ist der Oberbegriff für alle Lehren, die Lust und Genuss zum höchsten Gut erklären. Dazu zählt auch der Epikureismus, allerdings in einer Fassung, die viele überrascht: Epikur ging es nicht um Ausschweifung, sondern um das maßvolle Streben nach Lust und vor allem um Seelenruhe, die Freiheit von Schmerz und Furcht. Ein Stück Käse und ein Gespräch unter Freunden waren ihm lieber als ein Gelage. Ganz anders die Stoa. Sie lehrte Gelassenheit gegenüber dem Schicksal, also die klare Unterscheidung zwischen dem, was in unserer Macht steht, und dem, was nicht. Kaiser Mark Aurel schrieb seine Selbstbetrachtungen in diesem Geist, nachts im Feldlager.
Die Neuzeit stellt die Frage neu. Die Deontologie bewertet Handlungen nach Pflicht und Vernunft: Es zählt die Absicht, nicht der Ausgang; eine Lüge bleibt falsch, auch wenn sie nützt. Der Utilitarismus dreht genau das um und misst Handlungen am größten Glück der größten Zahl. Als sein Begründer gilt Jeremy Bentham, der allen Ernstes eine Rechenformel für Glück entwarf und seinen einbalsamierten Leichnam dem University College London vermachte, wo er bis heute steht.
Wer beide Seiten kennt, versteht die meisten heutigen Streitfragen besser: von der Verteilung knapper Medikamente bis zu der alten Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt.
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