Wie heißt die traditionelle indische Astrologie?
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Jyotisha
Wörtlich „Wissenschaft vom Licht“. Sie gilt als eines der sechs Vedangas, der Hilfswissenschaften der Veden, und wurde vor allem für Kalender und Ritualtermine gebraucht.
15 Fragen · Mythologie
Wer in Indien nach seinem Sternzeichen gefragt wird, bekommt womöglich eine andere Antwort als in Europa und beide stimmen, weil sie verschieden rechnen. Die westliche Astrologie ist tropisch: Sie bindet den Widder-Punkt an die Frühlings-Tagundnachtgleiche. Die indische Jyotisha rechnet siderisch, also an den tatsächlichen Sternen ausgerichtet. Weil die Erdachse kreiselt (die Präzession, ein Umlauf in rund 25.800 Jahren), driften beide Systeme auseinander: inzwischen um etwa 24 Grad, fast ein ganzes Zeichen. Wer westlich Widder ist, gilt in Indien deshalb oft als Fisch. Die zwölf Zeichen heißen dort Rashi und tragen dieselben Bilder, Mesha der Widder, Vrishabha der Stier. Wichtiger als sie ist im Alltag aber ein zweites Raster: die 27 Nakshatras, die Mondhäuser. Sie teilen den Himmel nach dem Lauf des Mondes, der für einen Umlauf gut 27 Tage braucht, und jedes Haus trägt einen eigenen Namen, ein Symbol und eine Gottheit: Ashwini, Bharani, Krittika und so fort. Nach ihnen wählen viele Familien den Hochzeitstermin, und traditionell auch den ersten Buchstaben eines Kindernamens. Noch eine Eigenheit: Anders als im Westen spielt der Mond die Hauptrolle, nicht die Sonne. Und der Planet Rahu, der in Horoskopen auftaucht, ist gar kein Planet, sondern ein rechnerischer Punkt: der Mondknoten, an dem Finsternisse entstehen.
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Jyotisha
Wörtlich „Wissenschaft vom Licht“. Sie gilt als eines der sechs Vedangas, der Hilfswissenschaften der Veden, und wurde vor allem für Kalender und Ritualtermine gebraucht.
Sie rechnet siderisch statt tropisch
Die westliche bindet den Nullpunkt an die Frühlings-Tagundnachtgleiche, die indische an die tatsächlichen Sterne. Dadurch verschieben sich alle Zeichen gegeneinander.
Um etwa 24 Grad
Fast ein ganzes Zeichen. Wer westlich Widder ist, gilt indisch deshalb häufig als Fisch: dieselbe Geburt, ein anderes Zeichen.
Die Präzession der Erdachse
Die Erdachse kreiselt wie ein Spielzeugkreisel und braucht dafür rund 25.800 Jahre. Der Frühlingspunkt wandert dadurch langsam durch die Sternbilder.
Ayanamsa
Über den genauen Wert streiten die Schulen: Der verbreitete Lahiri-Ayanamsa ist offiziell anerkannt, andere Traditionen rechnen um ein bis zwei Grad abweichend.
Foto: Saranya Ghosh · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Nakshatras
Sie teilen den Tierkreis nach dem Lauf des Mondes, der gut 27 Tage für einen Umlauf braucht. Jedes Haus hat Namen, Symbol und Gottheit: Ashwini beginnt die Reihe.
27
Manche Traditionen zählen 28 und schieben Abhijit ein. Die 27 ergeben sich aus dem siderischen Mondumlauf von etwa 27,3 Tagen.
Der Mond
Das Geburtszeichen richtet sich dort nach dem Mondstand, nicht nach der Sonne. Deshalb kennen viele Inderinnen und Inder ihr Mondzeichen genauer als ihr Sonnenzeichen.
Rashi
Mesha (Widder), Vrishabha (Stier), Mithuna (Zwillinge) und so fort: dieselben Bilder wie im Westen, ein Erbe des Austauschs mit dem hellenistischen Griechenland.
Für den ersten Buchstaben des Namens
Jedes Mondhaus ist in vier Viertel (Padas) geteilt, jedem sind Silben zugeordnet. Viele Familien wählen danach den Rufnamen: Astrologie als Namensregister.
Foto: Andres Rueda · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons
Die Mondknoten
Die beiden Schnittpunkte von Mond- und Erdbahn, an denen Finsternisse entstehen. Der Mythos macht daraus einen Dämon, dem der Kopf abgeschlagen wurde: Rahu verschluckt die Sonne, sie fällt ihm unten wieder heraus.

Foto: Anant Shivaji Desai, Ravi Varma Press · Public domain · Wikimedia Commons
Neun
Die Navagraha: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn sowie Rahu und Ketu. Uranus, Neptun und Pluto fehlen: sie wurden erst nach der Ausformung des Systems entdeckt.
Für die Partnerwahl und den Hochzeitstermin
Beim Kundali-Abgleich werden Punkte (Gunas) gezählt; ab einer Schwelle gilt die Verbindung als passend. In Heiratsanzeigen steht das Geburtshoroskop oft neben dem Beruf.
Aus dem hellenistischen Griechenland
Über den Kontakt nach Alexanders Feldzug kamen sie ab dem 2. Jahrhundert nach Indien: die Nakshatras dagegen sind älter und genuin indisch, sie stehen schon in den vedischen Texten.
Die Nakshatras
Die Mondhäuser sind bereits in den vedischen Texten belegt, lange vor den zwölf Zeichen. Das Mondsystem ist also der einheimische Kern, der Sonnentierkreis der Import.
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