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Apartheid in Südafrika lernen

20 Fragen · Geschichte

„Apartheid“ heißt auf Afrikaans schlicht „Getrenntheit“, und als Wahlkampfwort brachte es der Nationalen Partei 1948 den Sieg. Rassentrennung hatte es in Südafrika schon lange gegeben; neu war, dass sie nun bis ins letzte Detail durchgeplant und in hunderte Gesetze gegossen wurde. Jeder Mensch bekam eine Rassenkategorie zugewiesen. Wo man wohnen, arbeiten, zur Schule gehen, wen man heiraten durfte: alles hing daran. Schwarze Südafrikaner mussten ein Passbuch bei sich tragen, den „dompas“; wer ohne erwischt wurde, kam ins Gefängnis. Über zehn Millionen Verhaftungen kamen so zusammen. Der Widerstand formierte sich um den African National Congress, gegründet schon 1912. 1960 erschoss die Polizei im Township Sharpeville 69 unbewaffnete Menschen, die gegen die Passgesetze protestierten: viele von hinten. Danach wurde der ANC verboten und ging in den Untergrund; sein bewaffneter Arm entstand, und mit ihm rückte ein junger Anwalt namens Nelson Mandela in den Blick. Im Rivonia-Prozess 1964 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Achtzehn seiner siebenundzwanzig Jahre saß er auf Robben Island, in einer Zelle von vier Quadratmetern, und brach Kalkstein, dessen Staub seine Augen dauerhaft schädigte. Die Regierung ging weiter: In den sogenannten Homelands sollten auf dreizehn Prozent der Landesfläche achtzig Prozent der Bevölkerung leben und dort ihre Staatsbürgerschaft verlieren. Millionen wurden zwangsumgesiedelt. 1976 gingen in Soweto Schüler auf die Straße, weil sie auf Afrikaans unterrichtet werden sollten; die Polizei schoss, und das Foto des sterbenden Hector Pieterson ging um die Welt. Ein Jahr später starb Steve Biko, der Kopf der Bewegung des schwarzen Selbstbewusstseins, an den Folgen von Misshandlungen in Polizeihaft. Der Druck von außen wuchs: Sportboykott, Ausschluss von Olympia, 1977 ein verbindliches UN-Waffenembargo, 1984 der Friedensnobelpreis für Erzbischof Desmond Tutu. Das Ende kam schneller, als fast jeder erwartet hatte. 1990 hob Präsident de Klerk in einer einzigen Parlamentsrede das Verbot des ANC auf; am 11. Februar trat Mandela nach siebenundzwanzig Jahren mit erhobener Faust aus dem Gefängnis. 1993 teilten sich die beiden den Friedensnobelpreis, 1994 wählten erstmals alle Südafrikaner, und die Schlangen vor den Wahllokalen waren kilometerlang. Statt Rache setzte das neue Land auf die Wahrheits- und Versöhnungskommission: Geständnis gegen Amnestie, öffentlich und im Fernsehen. Ein Modell, das die halbe Welt kopiert hat und über das bis heute gestritten wird.

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In PurFact kommt jede Karte genau dann wieder, wenn du sie sonst vergessen würdest. So bleibt das Wissen hängen.

Alle Fragen mit Lösung

Was bedeutet das Wort „Apartheid“ auf Afrikaans wörtlich?

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Getrenntheit

Der Begriff war ein Wahlkampfwort: 1948 gewann die Nationale Partei damit die Wahl und baute die Trennung zum Gesetzeswerk aus.

💡 Wusstest du? Rassentrennung gab es in Südafrika schon lange vorher. Neu war ab 1948, dass sie lückenlos durchgeplant und in hunderte Gesetze gegossen wurde.

Welches Dokument mussten Schwarze in Südafrika ständig bei sich tragen?

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Ein Passbuch

Darin stand, wo man arbeiten und wohnen durfte. Wer ohne erwischt wurde, kam ins Gefängnis.

💡 Wusstest du? In den Jahren der Apartheid wurden dafür über zehn Millionen Menschen verhaftet; das Passbuch war das meistgehasste Symbol des Systems.

In welchem Township erschoss die Polizei 1960 bei einem Protest gegen die Passgesetze 69 Menschen?

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Sharpeville

Die Menschen waren unbewaffnet und wollten sich freiwillig ohne Pass verhaften lassen; viele wurden von hinten getroffen.

💡 Wusstest du? Der 21. März ist seither der Internationale Tag gegen Rassismus. In Südafrika ist er Feiertag und heißt „Tag der Menschenrechte“.

Welche Organisation führte den Widerstand gegen die Apartheid an?

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Der ANC

1912 gegründet, 1960 nach Sharpeville verboten: der ANC arbeitete danach 30 Jahre lang im Untergrund und aus dem Exil.

💡 Wusstest du? Als der ANC 1990 wieder zugelassen wurde, war er die älteste Befreiungsbewegung Afrikas. Seit 1994 stellt er die Regierung Südafrikas.

Wer war der bekannteste Gefangene der Apartheid und wurde später Präsident Südafrikas?

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Nelson Mandela

Der Anwalt gehörte zu den Gründern des bewaffneten Arms des ANC und saß 27 Jahre im Gefängnis.

💡 Wusstest du? Seinen Vornamen bekam er von einer Lehrerin: Zu Hause hieß er Rolihlahla, was auf isiXhosa ungefähr „der am Ast zieht“ bedeutet: sinngemäß: Unruhestifter.

In welchem Prozess wurde Mandela 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt?

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Im Rivonia-Prozess

Benannt nach dem Vorort von Johannesburg, in dem die Polizei das Versteck der ANC-Führung ausgehoben hatte.

💡 Wusstest du? Mandelas Verteidigungsrede endete mit dem Satz, ein freies Südafrika sei ein Ideal, für das er zu sterben bereit sei. Sie dauerte drei Stunden und ging um die Welt.

Auf welcher Insel vor Kapstadt saß Mandela den größten Teil seiner Haft ab?

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Robben Island

18 seiner 27 Haftjahre verbrachte er dort in einer Zelle von rund vier Quadratmetern und brach im Steinbruch Kalk.

💡 Wusstest du? Der Kalkstaub schädigte seine Augen dauerhaft: später bat er Fotografen, auf Blitzlicht zu verzichten. Heute ist die Insel Weltkulturerbe.

Wie nannte man die Gebiete, in die die schwarze Bevölkerung abgeschoben und dort zu Ausländern erklärt wurde?

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Homelands

Auf 13 Prozent der Landesfläche sollten 80 Prozent der Bevölkerung leben: dazu wurden Millionen Menschen zwangsumgesiedelt.

💡 Wusstest du? Kein einziger Staat der Welt erkannte diese „unabhängigen“ Homelands an. Das war auch nicht ihr Zweck: Sie sollten Schwarzen die südafrikanische Staatsbürgerschaft entziehen.

In welchem Township begann 1976 ein Schüleraufstand, der blutig niedergeschlagen wurde?

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Soweto

Auslöser war die Anordnung, den Unterricht auf Afrikaans zu halten: der Sprache derer, die das System durchsetzten.

💡 Wusstest du? Das Foto des sterbenden zwölfjährigen Hector Pieterson, getragen von einem Mitschüler, machte die Bilder aus Soweto weltweit unübersehbar.

Welcher Aktivist begründete die Bewegung des schwarzen Selbstbewusstseins und starb 1977 in Polizeihaft?

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Steve Biko

Seine Bewegung „Black Consciousness“ setzte auf Selbstachtung statt auf Bitten um Gleichbehandlung: „Die stärkste Waffe des Unterdrückers ist der Geist der Unterdrückten.“

💡 Wusstest du? Er starb an Kopfverletzungen nach Verhören, nackt und gefesselt über 1.100 Kilometer transportiert. Die Regierung sprach von einem Hungerstreik; niemand glaubte ihr.

Von welchem Wettbewerb war Südafrika wegen der Apartheid von 1964 bis zur Rückkehr 1992 ausgeschlossen?

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Von den Olympischen Spielen

Ausgeschlossen ab 1964, 1970 ganz aus dem IOC geworfen: erst 1992 durfte Südafrika wieder antreten.

💡 Wusstest du? Der Sportboykott traf das Land härter als manches Wirtschaftsembargo: Rugby und Cricket waren identitätsstiftend, und plötzlich kam niemand mehr zum Spielen.

Welche Maßnahme verhängte der UN-Sicherheitsrat 1977 gegen Südafrika?

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Ein Waffenembargo

Es war das erste Mal überhaupt, dass der Sicherheitsrat solche Zwangsmaßnahmen gegen ein Mitgliedsland verhängte.

💡 Wusstest du? Südafrika baute daraufhin eine eigene Rüstungsindustrie auf und heimlich Atomwaffen. Sechs Sprengköpfe wurden Anfang der 1990er wieder zerlegt.

Welcher anglikanische Erzbischof erhielt 1984 den Friedensnobelpreis für seinen gewaltlosen Kampf gegen die Apartheid?

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Desmond Tutu

Er forderte Sanktionen, als das im Land als Landesverrat galt, und blieb dabei ausdrücklich beim gewaltlosen Widerstand.

💡 Wusstest du? Von ihm stammt das Bild der „Regenbogennation“ für das neue Südafrika: bunt, aber ein Bogen.

In welchem Jahr kam Nelson Mandela nach 27 Jahren frei?

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1990

Millionen Menschen sahen live zu, wie er mit erhobener Faust aus dem Victor-Verster-Gefängnis trat.

💡 Wusstest du? Kaum jemand wusste, wie er inzwischen aussah: Fotos von ihm zu veröffentlichen war in Südafrika 27 Jahre lang verboten gewesen.

Welcher Präsident hob 1990 das Verbot des ANC auf und teilte sich mit Mandela den Friedensnobelpreis?

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Frederik Willem de Klerk

In einer einzigen Parlamentsrede hob er die Verbote von ANC und anderen Organisationen auf und kündigte Mandelas Freilassung an.

💡 Wusstest du? 1993 bekamen beide gemeinsam den Friedensnobelpreis: der eine hatte das System aufgebaut mitverantwortet, der andere 27 Jahre darin gesessen.

In welchem Jahr durften in Südafrika erstmals alle Bürger unabhängig von der Hautfarbe wählen?

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1994

Die Schlangen vor den Wahllokalen waren kilometerlang; viele Menschen standen den ganzen Tag an, um zum ersten Mal im Leben zu wählen.

💡 Wusstest du? Der 27. April ist heute Nationalfeiertag und heißt „Freedom Day“. Mandela wurde am 10. Mai als erster schwarzer Präsident vereidigt.

Welche Einrichtung sollte nach der Apartheid die Verbrechen aufarbeiten, statt sie nur zu bestrafen?

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Die Wahrheits- und Versöhnungskommission

Wer seine Taten vollständig gestand und ein politisches Motiv nachweisen konnte, konnte Amnestie beantragen: Täter wie Widerstandskämpfer.

💡 Wusstest du? Über 21.000 Menschen sagten aus, viele öffentlich und im Fernsehen. Das Modell wurde weltweit kopiert, blieb aber umstritten: Vergebung ohne Strafe war für viele Opfer zu wenig.

Bei welchem Sportereignis überreichte Mandela 1995 im Trikot der einst weißen Nationalmannschaft den Pokal?

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Bei der Rugby-Weltmeisterschaft

Rugby war der Sport der weißen Minderheit; die Springboks waren für viele Schwarze ein Symbol der Unterdrückung gewesen.

💡 Wusstest du? Mandela trug beim Finale ihr grünes Trikot mit der Nummer 6 und das Stadion, überwiegend weiß, rief seinen Namen. Wenige Gesten haben je so viel Versöhnung transportiert.

Wie viele Amtssprachen gab sich Südafrika in seiner Verfassung von 1996?

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Elf

Neben Englisch und Afrikaans wurden neun afrikanische Sprachen gleichgestellt, darunter isiZulu, isiXhosa und Sesotho.

💡 Wusstest du? 2023 kam mit der südafrikanischen Gebärdensprache eine zwölfte dazu. Die Nationalhymne singt in fünf Sprachen: sie wechselt mitten im Lied.

Mit welchem Bild beschrieb Desmond Tutu das Südafrika nach der Apartheid?

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Als Regenbogennation

Mandela griff das Bild in seiner Antrittsrede auf: ein Volk aus vielen Farben, das in Frieden mit sich selbst leben soll.

💡 Wusstest du? Die neue Flagge von 1994 nahm das wörtlich: sechs Farben, mehr als jede andere Nationalflagge der Welt.

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