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Sklaverei und Abolition lernen
20 Fragen · Geschichte
Es war ein Geschäft, und genau das macht es so schwer zu ertragen. Über gut dreihundert Jahre verschifften europäische Reeder etwa 12,5 Millionen Menschen von der afrikanischen Küste nach Amerika. Rund 10,7 Millionen kamen an; die Differenz starb auf See. Das System hatte eine kaufmännische Logik, die man Dreieckshandel nennt: Waffen, Stoffe und Branntwein nach Westafrika, verschleppte Menschen über den Atlantik, Zucker, Tabak und Baumwolle zurück nach Europa. Kein Schiff sollte leer fahren. Die mittlere Etappe dieser Route, die Middle Passage, dauerte sechs bis zehn Wochen, angekettet im Zwischendeck, und die Reeder rechneten die Toten vorher in ihre Kalkulation ein.
Die meisten dieser Menschen kamen nicht dorthin, wo man sie heute vermutet. Fast fünf Millionen wurden nach Brasilien verschleppt, weitere Millionen in die Karibik; in die späteren Vereinigten Staaten gingen weniger als vier Prozent des gesamten Handels. Und Widerstand gab es von Anfang an. In Brasilien entstanden Quilombos, Siedlungen Entflohener, deren größte, Palmares, fast ein Jahrhundert überdauerte. Auf der französischen Zuckerinsel Saint-Domingue erhoben sich 1791 die Sklaven, schlugen unter Toussaint Louverture nacheinander französische, spanische und britische Truppen und gründeten 1804 Haiti, den ersten Staat der Geschichte, der aus einem erfolgreichen Sklavenaufstand hervorging.
In Europa und Nordamerika wuchs derweil eine Bewegung, die das Undenkbare forderte: die Abschaffung. Olaudah Equiano, selbst als Kind verschleppt, schrieb 1789 seine Lebensgeschichte und machte aus einer Handelsfrage eine menschliche. William Wilberforce brachte seinen Antrag im britischen Parlament ein und wurde jahrzehntelang überstimmt, bis 1807 der Handel und 1833 die Sklaverei selbst verboten wurden, wobei nicht die Befreiten entschädigt wurden, sondern ihre Besitzer. In den USA führte Harriet Tubman als entflohene Sklavin immer wieder Menschen über die Underground Railroad in den Norden, Frederick Douglass wurde zur mächtigsten schwarzen Stimme des Landes, und Sojourner Truth fragte eine Versammlung von Frauenrechtlerinnen, ob sie denn keine Frau sei.
Das Ende kam spät und ungleichmäßig: Lincolns Emanzipationsproklamation 1863, der 13. Zusatzartikel 1865, und in Texas erfuhren die Betroffenen davon erst zweieinhalb Jahre später: daher der Feiertag Juneteenth. Brasilien schaffte die Sklaverei erst 1888 ab, als letztes Land Amerikas. 2001 erklärte die UN-Konferenz von Durban den Sklavenhandel zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
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